Mit einer Änderung der AGB hat ebay den kostenlosen Versand in 26 Kategorien zur Pflicht für gewerbliche und private Verkäufer gemacht.
Betroffen davon sind hauptsächlich Kleinteile aus dem Elektronikbereich wie z.B. Speicherkarten, Zubehör von mp3-Playern und dergleichen.Das Unternehmen beantwortet die Frage nach dem warum mit folgendem Statement:
Zu hohe Versandkosten sind für viele Käufer der häufigste Grund, doch nicht online einzukaufen. Im eCommerce-Bereich hat sich daher zusehends kostenloser Versand als Marktstandard durchgesetzt. Wir haben uns dazu entschlossen, auch auf unserem Marktplatz in einigen Zubehör- und Accessoires-Kategorien kostenlosen Versand innerhalb Deutschlands einzuführen, damit wir auch in Zukunft ein attraktiver Handelsplatz bleiben.
An der Erklärung interessant ist vor allem das Argument, dass sich im eCommerce Bereich kostenloser Versand zusehends als Marktstandard durchgesetzt habe.
Meines Wissens nach ist aber der einzige eCommerce Anbieter, welcher konsequent kostenlosen Versand anbietet, der Versandhandel Amazon. Dass dieses Unternehmen Standards setzt, ist mir durchaus bewusst, aber mir persönlich wäre kein anderes eCommerce Unternehmen bekannt, welches kostenlosen Versand innerhalb Deutschlands anbietet.
Daher muß man sich die Frage stellen, warum ebay diesen Schritt unternommen hat und sich dessen Tragweite bewusst werden. Oftmals versuchten Verkäufer mögliche Verluste bei scheinweise günstigen Angebote durch die Höhe der Versand abzudecken.
Sprich: Artikel günstig, Versandkosten hoch.
Das ebay dem entgegenzuwirken versucht ist vollkommen legitim und verständlich, aber die Art der Umsetzung wirft doch einige Fragen auf.
Nehmen wir einfach einmal mich als privaten Verkäufer als Beispiel:
Da ich Herrscher über ein große Armee von Kabeln aller Art bin (welche in meinem Keller in einer Kiste vollkommen ungenützt vor sich hinschmoren), entschloss ich mich, einige von diesen per Auktion zu verkaufen.
Beim Einstellen der Artikel konnte ich in der von mir gewählten Unterkategorie jedoch keinerlei Versandkosten angeben, da ja kostenloser Versand in dieser Kategorie zur Pflicht wurde.
Verkauft sich nun das von mir nicht mehr benötigte Kabel für nur einen Euro, so muß ich die Versandkosten tragen und fahre einen Verlust beim Verkauf meines Kabels ein. Die einzigen Möglichkeiten, die mir bleiben sind:
- das Kabel zu einem Festpreis zu verkaufen oder
- den Artikel nur an Selbstabholer zu verkaufen
- die Auktion zu beenden und das Kabel in die Mülltonne zu treten.
Ich persönlich tendiere zur letzten Möglichkeit, da ich das Kabel sowieso nicht benötige, niemand wegen eines Kabels quer durch die Stadt fahren wird und Sofort Kauf in meinen Augen nicht der Sinn von ebay ist (wenn ich das Kabel zu einem Festpreis verkaufen wollen würde, dann könnte ich es genauso gut bei Amazon einstellen)
Ich frage mich wirklich, ob ebay sich mit dieser Änderung nicht selbst ins Bein schießt und sein eigenes Konzept untergräbt. Ebay entfernte sich in den letzten Jahren ja immer weiter weg vom Auktionshaus hin zu einer Plattform, auf welcher Anbieter und dem Anschein des Schnäppchens Artikel zum Festpreis verkaufen.
Diese Entwicklung hat mir persönlich noch nie wirklich zugesagt, da ich mir von ebay eigentlich eher reale Auktionen erwarte, bei denen ich ab und an den ein oder anderen Schnäppchenkauf machen kann.
Das einzige, was ebay nun erreicht ist eine Belastung der User. Verkäufer müssen nun die Versandkosten im Preis des Artikels mit einberechnen. Das wiederum hat die Auswirkung, dass die Käufer den Artikel zwar per kostenlosen Versand erhalten, aber dennoch dafür zahlen (es sein denn, es handelt sich um einen Verkauf über Auktion).
Wie wird sich die Pflicht des kostenlosen Versandes in bestimmten Kategorien nun auswirken?
- Alle Artikel in den bis dato 26 bestimmten Kategorien werden in Zukunft eine Preissteigerung erfahren.
- Käufer haben zwar einen gefühlten Mehrwert, da der Versand ja kostenlos! ist, aber summa summarum wird dem nicht so sein.
- Verkäufer werden Abstand davon nehmen, Artikel über eine Auktion zu verkaufen, was zu einer weiteren Aushöhlung des Grundkonzeptes von ebay führen wird
- das Unternehmen verzeichnet höhere Einnahmen, da es am erzielten Preis prozentual beteiligt ist
Ich stelle mir hierbei die Frage, ob diese Aktion von ebay wirklich gründlich überlegt wurde. Ich verstehe durchaus die Motive dahinter und kurzfristig wird sich diese Änderung auch positiv auswirken, aber auf lange Sicht stellt dies nur einen weiteren Schritt weg vom Konzept eines echten Auktionshauses dar – und genau das sollte ebay in meinen Augen bleiben.
Ich verschenke mein Kabel lieber an einen Bedürftigen.
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