Die meisten von Euch kennen sicherlich so genannte Zeitraffer-Aufnahmen, in welchen z.B. Wolken am Himmel schnell vorbeiziehen, oder gezeigt wird, wie sich der Blütenkelch einer Pflanze öffnet. Diese Aufnahmen werden mit einer Funktion des jeweils verwendeten Fotos gemacht, welche sich Serienaufnahme, oder auf Englisch time lapse mode nennt. An dieser Stelle ein kurzes Tutorial, wie man mit einer Gopro HD 2 Cam Serienaufnahmen macht und diese anschließend in iMovie 11 zu einem Video im Zeitraffer verarbeitet.
Um Serienaufnahmen von hoher Qualität zu erreichen, empfiehlt es sich verständlicherweise eine Spiegelreflexkamera zu verwenden. Da aber dabei die vorzunehmenden Einstelllungen nicht unbedingt einfach sind, möchte ich mich in diesem Tutorial auf die Verwendung einer Gopro HD 2 Cam beschränken. Im Prinzip kann man eine Zeitraffer-Aufnahme aber auch mit einer DSLR-Kamera mit denselben Schritten verwirklichen.
Die Gopro HD 2 verfügt über einen so genannten Zeitraffermodus, welcher alle 0,5, 1 (Standard), 2, 5, 10, 30 oder 60 Sekunden eine Aufnahme macht. In meinem Beispiel habe ich meine Gopro so eingestellt, dass sie alle 5 Sekunden ein Foto machte.
Das Prinzip einer Zeitraffer Aufnahme
Um das Prinzip einer Zeitrafferaufnahme zu verstehen, muß man sich vor Augen führen, dass das menschliche Gehirn eine Abfolge von 14 bis 16 Aufnahmen pro Sekunde als fließende Bewegung wahrnimmt. Aus diesem Grunde wurden die ersten Stummfilme mit einer Bildfrequenz von 16 Bildern pro Sekunde (frames per second) aufgenommen. Aus technischen Gründen ging man zu einem späteren Zeitpunkt dazu über, Filme mit 24 fps zu erstellen, was auch heutzutage in Europa noch den Standard bildet – in den USA sind 30 fps gebräuchlich.
Aus diesem Grund sollte ein Video mit Zeitraffer Effekt mindestens zwischen 16 und 30 Bilder pro Sekunde haben. Konkret bedeutet dies: die Anzahl der mit der Gopro aufgenommenen Bilder entscheidet über die Länge des daraus resultierenden Films. In meinem Beispiel erstelle ich einen Film mit 30 fps, was bedeutet, dass ich für 30 Sekunden Film insgesamt 900 Fotos benötige. Da ich die Gopro so eingestellt habe, dass sie alle 5 Sekunden ein Bild macht, ergibt dies eine Aufnahmedauer von 5×900 was 4500 Sekunden oder 75 Minuten entspricht.
Also stellte ich meine Gopro nach draußen und ließ sie dort 75 Minuten lang alle 5 Sekunden ein Foto machen. Als Ergebnis erhielt ich 900 Fotos, welche ich in iPhoto importierte, um die Bilder anschließend in iMovie verfügbar zu haben.
Erstellen eines neuen Projektes in iMovie
Um den Zeitraffer Modus in iMovie zu ermöglichen, sollte man ein neues Projekt erstellen und bestimmte Einstellungen dabei vornehmen. Als Projektname wählte ich einfach “Zeitraffer”, und wählte 30 Bilder pro Sekunde.
Sobald das Projekt erstellt ist, geht man im Menü auf Ablage==>Projekteinstellungen und stellt “Dauer für Übergänge” auf 0,5 Sekunden und wählt bei “Platzierung von Fotos” die Option “An Rahmen anpassen”. Der letzt genannte Punkt ist sehr wichtig, da iMovie die Fotos ansonsten allesamt mit dem KenBurns Effekt versieht, was dem Projekt alles andere als zuträglich ist.
Nun kann man die Fotos in die Timeline importieren. Dazu klickt man in der rechten Spalte, wo man ansonsten Übergänge u.ä. auswählen kann, auf das Fotosymbol und sucht die Aufnahmen, welche man mit der Gopro gemacht hat. Ich habe beim Import in iPhoto ein Ereignis erstellt, damit ich alle Bilder zusammen an einem Ort habe und nicht extra suchen muß. Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit, “Letzter Import” auszuwählen – dort sollten die Fotos ebenfalls zu finden sein.
Hat man die benötigten Fotos gefunden, so wählt man alle aus (oder einfach nur das Ereignis) und zieht diese in die Timeline von iMovie. Danach beginnt iMovie mit dem Import der Fotos, was je nach Anzahl und verwendetem Mac etwas dauern kann. Sind alle Bilder importiert, klickt man auf das Zahnrad am ersten Foto und wählt den Punkt “Clip Anpassungen” dort stellt man die Dauer auf 0,1 Sekunden, was bei iMovie leider das minimale Dauer darstellt und setzen noch einen Haken bei “auf alle Standbilder anwenden”.
Drückt man nun auf die Leertaste, sieht man eine Vorschau des bereits zu erkennenden Zeitraffers. Doch dieser ist noch nicht fertig, da man die Bildanzeigedauer in iMovie wie gerade erwähnt minimal auf nur 0,1 Sekunden einstellen kann. Dies würde bei in diesem Beispiel verwendeten 900 Fotos bedeuten, dass die Gesamtlänge des Videos 90 Sekunden, also eineinhalb Minuten beträgt. Da wir aber einen Film mit 30fps erstellen wollen, müssen wir nun den Clip wie gewohnt erst einmal erstellen bzw. exportieren.
Geschwindigkeitsanpassung des Clips
Nach dem Export erstellen wir erneut ein Projekt, in welches wir den soeben erstellten Film importieren und die Geschwindigkeit desselben erhöhen, um eine exakte Länge von 30 Sekunden zu erreichen. Hierzu gehen wir erneut auf das Zahnradsymbol und wählen bei dem Punkt Geschwindigkeit “Gesamten Clip konvertieren”, um eine Beschleunigung zu ermöglichen.
Nachdem der Clip erstellt wurde, setzen wir die Geschwindigkeit auf 300%, wodurch wir die Gesamtlänge von 90 Sekunden auf die gewünschten 30 Sekunden verkürzen und somit exakt 30fps pro Sekunde für unseren Film erreicht haben.
Im letzten Schritt exportieren wir den Film und schon haben wir das Video im Zeitraffer Modus. Man sollte sich nicht von der Länge dieser Anleitung abschrecken lassen. Im Prinzipt sind es nur ein paar Einstellungen, um einen Zeitraffer mit der Gopro und iMovie erstellen zu können. Sobald man das ein- zweimal selbst gemacht hat, geht es spielerisch von der Hand. Ein wenig rechnen sollte man allerding können. Wem die ganze Bilder pro Sekunde Sache anfangs etwas zu verwirrend ist, kann sich auch erst einmal hier orientieren:
Intervall: ein Bild alle 5 Sekunden
Endlänge Videoclip: 30 Sekunden
Benötigte Bilder: 900
Aufnahmedauer: 75 Minuten
Intervall: ein Bild alle 5 Sekunden
Endlänge Videoclip: 60 Sekunden
Benötigte Bilder: 1800
Aufnahmedauer: 150 Minuten
Der Eieruhr Trick
Wer das Prinzip des Zeitraffers verstanden hat und ebenfalls eine Gopro besitzt, der kann in seinen Zeitraffer noch einen tollen Effekt mit einfachen Mitteln hinzufügen. Hierzu stellt man die Gopro einfach auf eine aufgezogene Eieruhr, welche sich dann für einen Zeitraum von 60 Minuten langsam dreht. Hierdurch erhält man einen sehr schönen Zeitrafferschwenk, was sich hervorragend eignet, um z.B. das Treiben auf einem großem Platz oder in einem Hafen im Zeitraffer Modus darzustellen. Die Eieruhr habe ich bei Amazon für knappe sieben Eure bestellt, was der Effekt in meinen Augen durchaus wert ist. Hier geht´s zur Eieruhr
Sobald das Wetter wieder mitspielt, werde ich an dieser Stelle weitere Zeitraffer Aufnahmen online stellen.







Hi, danke für deine Anleitung. Ich war schon nah dran, aber auf die Idee dafür ein eigenes Projekt zu machen bin ich nicht gekommen. Dacht immer, das muss doch so gehen.
Vince
danke…finde es trotzdem ein wenig fummelig alles.
ich erziele mit quicktime 7 pro eigentlich schneller und einfacher das gleiche ergebnis.
noch ein tipp: wenn schon import in iphoto/aperture dann auch batch editing der fotos.
Hi Michael,
super danke für die Anleitung
Trotzdem eine kleine Frage wie auch in deinem Zeitraffervideo sind in meinem auch die schwarzen Ränder rechts und links zu sehen. Gibt es eine Möglichkeit das Bild zu dehnen auf 16:9 / wide ???
Wenn man sich andere Videos ansieht die im Zeitraffermodus gemacht worden sind ist auch das ganze Bild ausgefüllt. Hab das Video auch mit meinem Mac und iMovie erstellt. Vielleicht hast du ja eine Lösung parat.
LG Steve
Hi Steve, das liegt am Bildformat der Gopro. Ich denke, man könnte in iMovie einfach auf 16:9 beschneiden, dann wären die schwarzen Streifen auch weg. Solltest Du einen anderen Weg finden, lass es mich doch bitte hier wissen.
Lieben Gruß,
Michael
Hat bei mir leider nicht geklappt. iMovie friert den Film an einem Zeitpunkt ein. Ich fand das auch recht kompliziert. Aber scheinbar geht das mit der Cineform Studio Software, die dabei ist, wesentlich einfacher. Vor allem ohne den Umweg über iPhoto.
Vielen Dank für die schlüssige Erklärung. Hat bei mir alles gut geklappt, wenn auch nur knapp 30 Sekunden mit 200 Bildern. Werde ich wieder machen – man braucht halt Zeit. Aber wenn man den Rechner über Nacht arbeiten lässt, funzt das perfekt! Nochmal danke!
GLG, ankman
PS: Habs auch gleich auf 16:9 beschnitten – kein Problem. Nur eine Frage: Was brauche ich denn für eine Foto-Auflösung?